Wenn aus einem Divertikel eine Entzündung wird
Eine Divertikulitis kann sich unterschiedlich bemerkbar machen. Typisch sind neu auftretende Schmerzen im Unterbauch, häufig auf der linken Seite. Dazu können Veränderungen des Stuhlgangs kommen – etwa Verstopfung, Durchfall oder ein Wechsel zwischen beidem.
Auch Übelkeit, Appetitlosigkeit oder ein allgemeines Krankheitsgefühl sind möglich. Fieber kann darauf hinweisen, dass die Entzündung stärker ausgeprägt ist.
Wichtig ist deshalb nicht nur, wo es weh tut, sondern auch, wie sich die Beschwerden entwickeln. Starke oder zunehmende Schmerzen, Fieber, Erbrechen oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands sollten ärztlich abgeklärt werden.
Zur Beurteilung gehören meist eine körperliche Untersuchung und Blutuntersuchungen. Entzündungswerte wie das CRP können dabei Hinweise auf die Aktivität der Entzündung geben. Je nach Situation kann zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung oder eine Computertomografie notwendig sein.
AIMit Unterstützung von Systemen für künstliche Intelligenz erstellt.AIMit Unterstützung von Systemen für künstliche Intelligenz erstellt.Warum eine Divertikulitis ernst genommen werden sollte
Eine unkomplizierte Divertikulitis kann häufig ohne größere Folgen ausheilen. Es gibt jedoch auch Verläufe, bei denen sich die Entzündung auf das umliegende Gewebe ausbreitet.
Dabei können beispielsweise Abszesse entstehen. In schwereren Fällen kann die Darmwand durchlässig werden oder aufreißen. Gelangen Darminhalte in die Bauchhöhle, kann daraus eine Bauchfellentzündung entstehen. Eine solche Entwicklung kann lebensbedrohlich werden und muss sofort behandelt werden.
Auch nach wiederholten Entzündungen können Veränderungen zurückbleiben. Narbengewebe kann den Darm verengen oder Verwachsungen verursachen. In seltenen Fällen entstehen Fisteln – also unnatürliche Verbindungen zwischen dem Darm und anderen Organen. Eine Verbindung zur Harnblase kann beispielsweise wiederkehrende Harnwegsinfektionen begünstigen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder weitere Schub automatisch gefährlicher wird oder eine Operation notwendig macht. Der Verlauf ist individuell.
Wie wird eine Divertikulitis behandelt?
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie ausgeprägt die Entzündung ist und ob Komplikationen vorliegen.
Bei einer unkomplizierten, milden Divertikulitis kann es ausreichen, den Körper zu schonen und die Ernährung vorübergehend anzupassen. Während der akuten Phase kann eine leicht verträgliche beziehungsweise flüssigere Kost sinnvoll sein. Sobald sich die Beschwerden bessern, wird die Ernährung schrittweise wieder erweitert.
Antibiotika werden heute nicht mehr automatisch bei jeder unkomplizierten Divertikulitis eingesetzt. Der Grund ist nicht, dass sie grundsätzlich unwirksam wären, sondern dass eine unkomplizierte Entzündung bei vielen Menschen auch ohne Antibiotika ausheilen kann. Gleichzeitig können Antibiotika das Darmmikrobiom verändern und Nebenwirkungen verursachen.
Bei komplizierten Verläufen oder Menschen mit bestimmten Risikofaktoren kann eine antibiotische Behandlung dagegen weiterhin wichtig sein. Ob sie notwendig ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand des individuellen Risikos.
Was beeinflusst das Risiko?
Warum sich ein Divertikel bei einem Menschen entzündet und bei einem anderen nicht, lässt sich nicht auf eine einzige Ursache reduzieren.
Eine Rolle spielen offenbar mehrere Faktoren: Ernährung, körperliche Aktivität, Körpergewicht, Rauchen und bestimmte Medikamente können das Risiko beeinflussen. Auch die individuelle Beschaffenheit des Bindegewebes und genetische Faktoren spielen wahrscheinlich eine Rolle.
Besonders interessant ist dabei der Zusammenhang zwischen Darmbewegung, Stuhlbeschaffenheit und Druck.
Wenn der Stuhl über längere Zeit hart und voluminarm ist, muss der Dickdarm teilweise kräftiger arbeiten, um ihn weiterzutransportieren. Dadurch können höhere Druckverhältnisse im Darm entstehen. Die Divertikel sitzen gerade an Stellen, an denen die Darmwand strukturell empfindlicher ist.
Das erklärt einen Teil des Zusammenhangs – allerdings ist eine Divertikulitis kein simples Ergebnis von „zu wenig Ballaststoffen“. Die Entstehung ist komplexer und wird von mehreren Faktoren beeinflusst.
AIMit Unterstützung von Systemen für künstliche Intelligenz erstellt.AIMit Unterstützung von Systemen für künstliche Intelligenz erstellt.Ballaststoffe: sinnvoll, aber nicht als Wundermittel
Nach dem Abklingen einer akuten Entzündung kann eine ballaststoffreiche Ernährung dazu beitragen, die Verdauung langfristig zu unterstützen.
Ballaststoffe können Wasser im Darm binden und das Stuhlvolumen erhöhen. Dadurch wird der Stuhl häufig weicher und lässt sich leichter transportieren. Gleichzeitig dienen bestimmte Ballaststoffe den Darmbakterien als Nahrung.
Das kann sich positiv auf die Zusammensetzung und Aktivität des Darmmikrobioms auswirken.
Ballaststoffe sollten trotzdem nicht als alleinige „Therapie“ gegen Divertikulitis verstanden werden. Entscheidend ist das gesamte Zusammenspiel aus Ernährung, Bewegung, Stuhlregulation und individuellen Risikofaktoren.
Auch bei der Ernährung gilt: Mehr ist nicht automatisch besser.
Wer bisher sehr ballaststoffarm gegessen hat, sollte die Menge langsam erhöhen. Eine abrupte Umstellung kann zunächst zu Blähungen, Bauchdruck oder verändertem Stuhlgang führen. Der Darm benötigt Zeit, um sich an eine größere Menge unverdaulicher Pflanzenfasern anzupassen.
Ausreichend Flüssigkeit ist besonders wichtig, wenn zusätzlich quellende Ballaststoffe wie Flohsamenschalen verwendet werden. Bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr können sie den Stuhl sogar verhärten.
Müssen Nüsse und Körner gemieden werden?
Lange Zeit hielt sich die Vorstellung, dass kleine Nahrungsbestandteile wie Nüsse, Samen oder Körner in einem Divertikel hängen bleiben und dort eine Entzündung auslösen könnten.
Für diese Annahme gibt es jedoch keine überzeugende wissenschaftliche Grundlage. Menschen mit Divertikeln müssen deshalb grundsätzlich nicht auf Nüsse, Samen oder Körner verzichten.
Entscheidend ist vielmehr, was individuell vertragen wird und wie die Ernährung insgesamt zusammengesetzt ist.
Bewegung gehört zur Vorbeugung
Auch Bewegung spielt eine Rolle.
Regelmäßige körperliche Aktivität unterstützt die natürliche Darmbewegung und wirkt gleichzeitig mehreren Faktoren entgegen, die mit einem erhöhten Divertikulitisrisiko in Verbindung gebracht werden.
Dabei muss es nicht um intensiven Sport gehen. Schon regelmäßige Bewegung im Alltag kann sinnvoll sein.
Auch Rauchen, starkes Übergewicht und ein hoher Konsum von rotem Fleisch werden mit einem höheren Risiko für Divertikelkomplikationen in Verbindung gebracht. Einige Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR, beispielsweise Ibuprofen oder Diclofenac, können das Risiko für Komplikationen ebenfalls erhöhen. Wer solche Medikamente regelmäßig einnimmt, sollte die individuelle Situation ärztlich besprechen.
AIMit Unterstützung von Systemen für künstliche Intelligenz erstellt.AIMit Unterstützung von Systemen für künstliche Intelligenz erstellt.Wann ist eine Operation notwendig?
Eine Operation war früher nach wiederholten Entzündungsschüben wesentlich häufiger vorgesehen. Heute wird nicht mehr allein gezählt, wie viele Schübe jemand hatte.
Stattdessen wird betrachtet, wie schwer die bisherigen Entzündungen waren, ob Komplikationen aufgetreten sind, wie stark die Beschwerden den Alltag beeinträchtigen und welches persönliche Risiko besteht.
Eine Operation kann beispielsweise bei bestimmten Komplikationen, wiederkehrenden schweren Verläufen oder einer ausgeprägten Verengung des Darms sinnvoll sein. Die Entscheidung sollte individuell und gemeinsam mit den behandelnden Fachleuten getroffen werden.
Divertikel sind nicht automatisch eine Krankheit
Eine Divertikulose kann viele Jahre bestehen, ohne jemals Beschwerden zu verursachen. Deshalb bedeutet der Nachweis von Divertikeln zunächst vor allem eines: Die Darmwand hat an bestimmten Stellen kleine Ausstülpungen entwickelt.
Erst wenn Beschwerden oder eine Entzündung hinzukommen, wird daraus ein behandlungsbedürftiges Problem.
Wer seine Darmgesundheit langfristig unterstützen möchte, kann an mehreren Stellschrauben ansetzen: ausreichend Bewegung, eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung, eine gute Flüssigkeitszufuhr und ein bewusster Umgang mit Risikofaktoren.
Und wenn neue, starke oder ungewöhnliche Bauchbeschwerden auftreten, sollte nicht selbst anhand einer Diagnose aus dem Internet behandelt werden. Besonders bei starken Schmerzen, Fieber, Erbrechen oder einer schnellen Verschlechterung ist eine medizinische Abklärung wichtig.
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Quelle: NDR (Darmentzündung bei Divertikulose: Symptome erkennen und behandeln. Stand: 29.09.2024.)



