Divertikel
krankheit
Was sind Divertikel?
Divertikel sind kleine Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die meist im Dickdarm entstehen – am häufigsten im Sigma, dem S-förmigen Abschnitt vor dem Enddarm. Sie sind sehr verbreitet und für sich genommen harmlos.
Typische Symptome
Eine akute Divertikulitis zeigt sich meist durch plötzliche, dumpfe Schmerzen im linken Unterbauch, oft begleitet von leichtem Fieber, Verstopfung oder Durchfall, Blähungen und gelegentlich Übelkeit.
Ursache
Warum sich Divertikel entzünden, ist nicht abschließend geklärt. Vermutet wird ein erhöhter Druck im Darm, oft begünstigt durch ballaststoffarme Ernährung, Verstopfung, Bewegungsmangel und zunehmendes Alter.
Ist Divertikulitis heilbar?
Ein akuter Schub heilt in den meisten unkomplizierten Fällen innerhalb weniger Tage vollständig aus. Die zugrunde liegenden Divertikel selbst bleiben jedoch bestehen, weshalb ein erneuter Schub möglich ist.
Behandlungsmöglichkeiten
Leichte Fälle werden meist mit Schonkost und Nahrungspause behandelt, schwerere zusätzlich mit Antibiotika. Bei Komplikationen wie Abszessen oder wiederholten schweren Schüben kann eine Operation nötig werden.
Divertikel verstehen.
Divertikulose oder Divertikulitis?
Beide Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber Unterschiedliches. Divertikulose bezeichnet lediglich das Vorhandensein von Divertikeln – meist ein zufälliger, beschwerdefreier Befund bei einer Darmspiegelung. Erst wenn sich einzelne Divertikel entzünden, spricht man von Divertikulitis. Verursachen die Divertikel Beschwerden, ohne dass eine akute Entzündung vorliegt, nennt man das Divertikelkrankheit.

Eine Volkskrankheit, die meist unbemerkt bleibt
Divertikel gehören zu den häufigsten Veränderungen im Dickdarm westlicher Industrienationen und werden mit dem Alter deutlich häufiger: Etwa 13 Prozent der unter 50-Jährigen haben Divertikel, bei den über 70-Jährigen sind es schätzungsweise 50 Prozent oder mehr. Die meisten Betroffenen bemerken davon nie etwas, da Divertikel oft nur zufällig bei einer Darmspiegelung entdeckt werden.
Divertikel entstehen bevorzugt im Sigma – dem etwa 40 bis 45 Zentimeter langen, S-förmigen Abschnitt vor dem Enddarm –, weil der Druck des Stuhls auf die Darmwand dort am größten ist. An Stellen, an denen Blutgefäße die Muskelschicht durchziehen, ist die Darmwand von Natur aus etwas schwächer; genau dort stülpt sich die Schleimhaut mit der Zeit nach außen aus.
Nur ein kleinerer Teil der Betroffenen entwickelt tatsächlich eine Divertikulitis. Setzen sich Stuhlreste in den Ausstülpungen fest, können sie die Schleimhaut reizen und eine Entzündung auslösen – meist plötzlich, mit deutlichen Schmerzen im linken Unterbauch.
Unkompliziert oder kompliziert?
Für die Behandlung entscheidend ist, ob die Entzündung auf die Darmwand begrenzt bleibt oder bereits Komplikationen verursacht hat.
Unkomplizierte Divertikulitis
Die Entzündung bleibt auf die Darmwand beschränkt, ohne Eiteransammlungen oder Durchbruch. Etwa drei von vier Betroffenen haben diese Form. Sie ist meist gut behandelbar und klingt oft innerhalb weniger Tage wieder ab.
Komplizierte Divertikulitis
Hier kommt es zusätzlich zu Eiteransammlungen (Abszessen), Fisteln oder im schlimmsten Fall zu einem Darmdurchbruch mit Bauchfellentzündung. Diese Form erfordert eine intensivere Behandlung, häufig im Krankenhaus, und mitunter eine Operation.
Wiederkehrende oder dauerhafte Beschwerden ohne akute Entzündung werden als chronische Divertikelkrankheit bezeichnet und oft gesondert behandelt.
Divertikulitis im Alltag.
Wie wird Divertikulitis festgestellt?
Nach körperlicher Untersuchung und Blutwerten (u. a. erhöhte weiße Blutkörperchen) sichert meist eine Computertomografie die Diagnose und zeigt mögliche Komplikationen. Nach Abklingen der Entzündung folgt oft eine Darmspiegelung, um andere Ursachen wie Darmkrebs auszuschließen.
Wie sieht die Ernährung während eines Schubs aus?
Im akuten Schub wird der Darm zunächst geschont: einige Tage klare Flüssigkeit, danach schrittweise leichte, ballaststoffarme Schonkost. Erst nach vollständigem Abklingen der Beschwerden wird langsam wieder auf ballaststoffreiche Ernährung umgestellt.
Muss man immer operiert werden?
Nein. Die meisten Schübe lassen sich konservativ mit Schonkost und gegebenenfalls Antibiotika behandeln. Eine Operation kommt vor allem bei Komplikationen wie großen Abszessen, einem Darmdurchbruch oder häufig wiederkehrenden schweren Schüben infrage.
Warum verwechseln manche Frauen die Beschwerden mit etwas anderem?
Die Schmerzen im linken Unterbauch ähneln teils gynäkologischen Beschwerden, etwa durch Eierstockzysten oder Endometriose. Deshalb wird eine Divertikulitis bei Frauen gelegentlich zunächst mit einer frauenärztlichen Erkrankung verwechselt.
Wichtige Themen
Häufige Fragen zum Leben mit Divertikeln

Was sollte man bei Divertikeln essen?
Außerhalb eines akuten Schubs gilt eine ballaststoffreiche Ernährung mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie ausreichend Flüssigkeit als sinnvoll, um weiche, gut zu entleerende Stuhlgänge zu fördern und den Druck im Darm zu senken.

Kann man mit Divertikeln ein normales Leben führen?
Ja. Die meisten Menschen mit Divertikeln haben nie Beschwerden. Auch nach einer überstandenen Divertikulitis lässt sich mit einer angepassten Ernährung und einem bewegten Lebensstil oft gut vorbeugen.

Wie beeinflusst Divertikulitis den Alltag?
Während eines Schubs sind Schonung und angepasste Ernährung wichtig, oft für einige Tage. Zwischen den Schüben lässt sich der Alltag – Beruf, Bewegung, Reisen – meist ganz normal gestalten, sofern auf Vorbeugung geachtet wird.
Fakten und statistische Einordnung

Informativ
- Häufigkeit: Divertikel betreffen etwa 13 % der unter 50-Jährigen und rund die Hälfte der über 70-Jährigen in westlichen Ländern.
- Verlauf: Nur ein kleinerer Teil der Menschen mit Divertikeln entwickelt jemals eine Divertikulitis.
- Schweregrad: Rund drei Viertel der Divertikulitis-Fälle verlaufen unkompliziert und sind gut behandelbar.
- Ort: Am häufigsten sind Divertikel im Sigma, dem S-förmigen Dickdarmabschnitt vor dem Enddarm, zu finden.
- Genesung: Ein unkomplizierter Schub klingt bei den meisten Betroffenen innerhalb weniger Tage ab.

Ernährung im Schub
- Akute Phase: zunächst klare Flüssigkeit, danach leichte, ballaststoffarme Schonkost, bis die Schmerzen nachlassen.
- Nach dem Schub: schrittweise Rückkehr zu ballaststoffreicher Ernährung mit ausreichend Flüssigkeit, um erneute Beschwerden zu vermeiden.

Vorbeugen & Risikofaktoren
- Schützend: ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung wirken der Bildung neuer Divertikel und Beschwerden entgegen.
- Risikoerhöhend: ballaststoffarme Ernährung, chronische Verstopfung, Bewegungsmangel und zunehmendes Alter; die regelmäßige Einnahme von NSAR-Schmerzmitteln kann Komplikationen begünstigen.
Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten, starken Bauchschmerzen mit Fieber sollte zeitnah ärztlicher Rat eingeholt werden.
